Tragen

Der normale Wahnsinn in der Bahn

Das Leben in einer großen Stadt birgt viele Vorteile. Es gibt Läden um die Ecke, die ich zu Fuß erreichen kann. Viele Angebote wollen wahrgenommen werden, Theater, Musik, Spiel und Sport sind in der Nähe zu finden. Und die öffentlichen Verkehrsmittel laden dazu ein, mich zu all diesen Angeboten, von denen es tatsächlich auch einige gibt, die sich an frischgebackene Eltern richten, zu bringen. Krabbelgruppe, Babyschwimmen, der Kaffee mit einer Freundin, ein Ausflug in den Park – die Liste ist lang und abwechslungsreich.

Hier in Leipzig gibt es die Babycard. Im ersten Lebensjahr des Kindes darf ein Elternteil kostenfrei die Straßenbahnen und Busse nutzen, wenn das Baby dabei ist. Klar nutzen das viele. Und natürlich bedeutet das, dass es eine große Menge Kinderwagen gibt. Überall in der Stadt, an den Haltestellen und theoretisch auch in den Bahnen.

Was also ist das Problem? Genau – es gibt zu wenig Platz. Mehrmals pro Woche sieht man genervten Eltern dabei zu, wie sie versuchen auch den vierten Kinderwagen in dieses Abteilchen an der Tür zu quetschen – unmöglich. Rollstuhlfahrer sind sowieso nur selten unterwegs und an Fahrräder oder größere Gepäckstücke, die ebenfalls in diesen wenigen Metern Platz finden könnten, ist garnicht erst zu denken. Tagesmütter und -väter wollen mit dem Krippenwagen zum Zoo, Omas schieben ihre Enkel im Buggy durch die Stadt und wollen diese mit den Öffis erreichen. Und dazwischen sitze ich mit meinem Tragling und freue mich, dass ich noch in die Bahn gepasst habe. Und ich freue mich über die verschwörerischen Blicke mit all den anderen Trageeltern. Ja – stellt euch vor, wir würden auch noch mit dem Kinderwagen ankommen – was dann?

Da prallt dann auch der doofe und gedankenlose Spruch der letzten Omi an mir ab, die meinte mein Kind könnte in der Trage ersticken, überhitzen, sich zu wenig bewegen, motorische Behinderungen davon tragen und sowieso viel zu verwöhnt sein. Freut euch über Trageeltern, liebe Wagenschieber. Wir konkurrieren nicht mit euch um die Plätze an der Tür! 😉