EBW2018 Tragen

Durch dünn und dick – Tragen in der Schwangerschaft

Dies ist mein Beitrag zur Blogparade im Rahmen der European Babywearing Week 2018.

Nicht über 10 kg, nicht über 4 kg, am Anfang garnicht, am Ende nicht mehr – eine Menge Warnungen und Hinweise zum Thema „tragen“ in der Schwangerschaft gibt es. Beim ersten Kind bemüht man sich noch, all dies möglichst einzuhalten. Schwere Einkäufe erledigt der Partner oder die Partnerin, die Farbe für das neue Kinderzimmer besorgen die Eltern, Blumenerde gibt es von den Nachbarn und Getränke lässt man sich liefern. Es gibt viele Möglichkeiten und meist eine passende Lösung. Doch was, wenn es nicht das erste Kind ist? Und wenn das ältere Geschwisterkind (oder gar mehrere) noch in einem Alter sind, in dem sie getragen werden wollen? Also quasi noch nicht volljährig? 😉

Keine Gewichtsklasse, die in der Schwangerschaft „erlaubt“ ist, trifft hier noch zu. Und es ist uns Mamas wohl kaum möglich die älteren Kinder 9 Monate lang nicht auf den Arm zu nehmen, auf die Schultern oder eben in eine geeignete Tragehilfe oder ein Tragetuch.

Natürlich haben all diese Warnungen ihre Berechtigung. Doch ein Alltag mit Kindern ist ohne Tragen (zumindest für mich) nicht denkbar.

Als ich erneut schwanger wurde, wollte ich unbedingt weiter tragen. Anfangs ging das nur wenig, da der Beginn der Schwangerschaft nicht ganz problemlos verlief. Doch nach einer gewissen Zeit ging es mir gut und das Baby hatte sich sicher eingenistet. Es sprach für mich (und auch für meine Ärztin) nichts gegen gelegentliches Tragen. Und geübt war ich ja nach mehr als 2 Jahren als Tragemama auch. Nun fragte ich mich – wie?

Ich möchte zuerst sagen, dass ich selbst eigentlich immer mit Tragetuch unterwegs war. Das fand ich praktisch, konnte ich doch verschiede Bindeweisen abwechseln. Außerdem ist es meiner Meinung nach die bequemste Möglichkeit mein Kind an mich zu binden. Doch alle Trageweisen, die ich gern mochte, hatten einen Tuchstrang über dem Bauch. Ich kenne schwangere Frauen, denen das nichts ausmachte. Ich selbst konnte das nicht. Der Druck störte mich (auch z.B. beim Autofahren der Beckengurt. Kennt ihr diese Gurt-nach-unten-zieh-Dinger? Großartige Erfindung!) und daher brauchte ich andere Lösungen. Vom Double Hammock zurück zum einfachen Rucksack – einer Rückenbindeweise, die mit passendem Abschluss keinen Bauchgurt umfassen muss – war eine Variante. Doch so richtig fühlte sich das für mich nicht an. Also suchte ich eine Tragehilfe für mein großes Kind, das ja sowieso viel selbst laufen wollte aber eben manchmal doch noch erschöpft auf meinem Rücken kuscheln wollte. Ich entdeckte den Onbuhimo. Diese Trage besteht im Wesentlichen aus einem Stück Stoff, das den Rücken des Kindes bedeckt und auf dem das Kind auch sitzt, und zwei Trägern. Kein Bauchgurt – das klang vielversprechend. Nach dem Testen diverser Onbus, fand ich den für uns Bequemsten. In dieser Tragehilfe konnte ich mein Kind mehrere Stunden während des Mittagsschlafes im Urlaub tragen, ohne dass etwas drückte. Ich liebe diese Trage! Es geht sehr schnell das Kind hinein zu bekommen und auch wieder hinaus. Der Onbu selbst ist zusammen gefaltet sehr klein und passt daher in fast jede Tasche (Mamas haben eh keine Clutch dabei sondern eher so eine Tasche mit 3kg Leergewicht, deren Inhaltsmenge entfernt an Mary Poppins erinnert und aus der wahlweise Snacks, Wechselsachen, Taschentücher, Bücher und Bausteine gezaubert werden).

Wir trugen im Onbuhimo fast bis zur Geburt und waren damit sehr glücklich. Auch als Trage mit dem kleineren Geschwisterchen vorn im Tuch (oder einer anderen Trage) eignet er sich. Doch das ist ein anderes Thema – Tandemtragen.

Denkt nun nicht, dass jede Schwangere mit älteren Traglingen einen Onbuhimo braucht. Wie immer sind die Lösungen hier zahlreich. Manche Tragehilfen können zum Beispiel zu einem Onbu umgebaut werden. Der Bauchgurt wird dann nach oben gebunden. Anleitungen hierzu findet der geneigte Leser im Internet. Auch gibt es ja einfach Menschen, die der Druck auf den Bauch nicht stört. Ich kenne Frauen, die bis zuletzt im Double Hammock trugen und diesen so hoch binden konnten, dass es sie nicht störte. Es gibt sogar Schwangere, die tragen das ältere Kind noch vor dem Bauch beziehungsweise auf dem Bauch. So lange es für alle bequem und medizinisch unbedenklich ist, ist alles gut, was gefällt.

In diesem Sinne – Tragen verbindet in der Schwangerschaft nicht nur mich selbst mit dem Gewicht, das ich im Bauch trage, sondern es kann mich auch weiterhin mit meinem großen Kind verbinden. Es schafft sogar eine Verbindung zwischen den Geschwistern.

So ist jedes Kind jederzeit in Liebe getragen.